Die letzten Tage vor der Abreise… 

TEAM  

Paul:
Die letzten Tage vor der Abreise sind entgegen früherer Planung doch stressiger wie gedacht. Das Gepäck muss noch kontrolliert und abgewogen werden.Zuviel zeigt meistens die Waage, verärgert starte ich deshalb zu einem Lockerungslauf. Trotz gemächlichen Laufstiels erreiche ich die Messpunkte auf meiner Bergstrecke etwas schneller als bei meinen schnellsten Trainings aus der Vergangenheit. Jetzt musste ichs wissen. Ich gebe Gas und erreiche mein Ziel mit der besten Zeit, die ich auf dieser Strecke jemals erreichen konnte. Äusserst zufrieden und total locker trabe ich nach Hause und versuche doch noch die Waage zu überlisten. Auch beruflich gibt es viel zu organisieren und einiges ist zu entscheiden. Aber das ist kein Problem, bin ich doch froh, dass ich die Möglichkeit von meinem Arbeitgeber für so eine
Expedition bekommen habe. Zusätzlich können wir uns an einem Projekt der Uni- IBK beteiligen . Als Danke dürfen wir in die Druckkammer zur Voraklimatisation in IBK und müssen dafür Messwerte von unserer Expedition mitbringen 

Sepp:
Ich bin dabei, beruflich alles auf die Reihe zu kriegen. Nachdem ich nun sämtliches Gepäck in die Seesäcke verpackt habe, hat mir die Waage gezeigt, das das Gewicht passt!

Stephan:
Ich habe in den letzten Tagen viel mehr zu erledigen, als mir lieb ist. Für die Expedition sind nur mehr Kleinigkeiten zu besorgen, sonst ist soweit alles klar. Aber ich muss mich auch auf das Leben nach der Expedition vorbereiten, da ich nicht einfach wieder an einen Arbeitplatz zurück kehren kann. Ich bin noch voll damit beschäftigt, Arbeiten für den Sommer reinzuholen und eine fixe Reise für 5 Personen nach Peru zu organisieren. Geplant wäre einmal gewesen, die letzen paar Tage vor meiner Abreise irgendwo alleine mit Frau und Tochter zu verbringen, aber daraus wurde nun leider nichts mehr.

 

Sonntag, 11.04.04

  

Wir sind gestern alle heil in Kathmandu angekommen. Am Flughafen hatte es bei der Ankunft 28° und einen heillosen Dreck. Nachdem wir mit dem Bus unser Hotel erreichten, haben wir alle sehr bald auf unseren Zimmern geschlafen. Unser Expeditionsstart verschiebt sich allerdings schon um einen Tag, da die Maoisten die Grenzstrasse nach Tibet gesperrt haben und zum allgemeinen Streik aufgerufen haben. So haben wir noch einen Tag mehr in Kathmandu zur Verfügung, um uns einzugewöhnen. Wenn alles nach Plan läuft, werden wir aber trotzdem am kommenden Samstag im Base Camp sein. Es herrscht dieses Jahr grosser Andrang auf den Shisha Pangma und wir rechnen mit ca 150 -250 Personen im Lager. Allerdings werden fast alle auf dem Normalweg unterwegs sein. Die Verhältnisse am Berg sollten nicht allzu schlecht sein, da es anscheinend im Wintermonsun wenig Schnee gab.

Montag, 12.04.04

Da die Maoisten die Grenzen immer noch blockieren und die Lage in Kathmandu auch nicht sehr freundlich war (sehr grosses Militaeraufgebot am letzten Abend) hat Amical noch gestern Abend einen Helikoptertransport bis knapp vor die Grenze Chinas organisiert. Heute sind wir dann mit russischen MI 17 Transportmaschinen eine halbe Stunde bis in ein durch militärgesichertes Kraftwerk geflogen. Nach sieben Fluegen war die ganze Mannschaft und Ausruestung da.

Anschliessend mussten wir noch 1h zu Fuss bis an die Grenze und nach längerem Warten sind wir dann am Abend in China angekommen. Nun sitzen wir in Nyalam (3700m) und können von da aus morgen mit dem Akklimatisationsprogramm nach Plan starten.

Ankunft in Nyalam/China

Nach unserer Ankunft in Nyalam/China sind seit dem nur noch eine russische Expedition zum Everest aus Kathmandu nach China gekommen. Sie haben erzählt, dass die Strasse vor der Grenze mit Bäumen und Steinen blockiert war und dass am Straßenrand ausgebrannte Jeeps und Busse standen. Gut, dass wir geflogen sind. Wir konnten nun die geplanten Aklimatisationstouren unternehmen und sind bis auf fast 4800m gekommen, trotz Schneefall. Es geht uns allen gut. Außer dass wir in den Nächten von Ratten belästigt werden, haben wir uns auch schon fast an die Umgebung gewöhnt.

Nach 4 Std. Fahrt sind wir von Nyalam über fast weglose Strecke zum Fahrerlager (Chiniese Basecamp 5000m Höhe) gefahren.

Der erste Eindruck war karges Land. Nach einem Tag, um uns an die Höhe zu gewöhnen, sind wir dann mit Yaks zu einem Zwischenlager auf rund 5400m gegangen. Die Beladung der Yaks und das Yaktreiben ist eine eigene Geschichte – anscheinend wollen die Yaks nie das, was die Treiber wollen, zumindest hatten wir den Eindruck. Nach hundert Metern fielen die ersten Gepäckstücke in den Sand.

 

Durch die raue Behandlung der Gepäckstücke ist der Zustand der angekommenen Teile öfter durchgeschüttelt. Unsere Schi kommen mit dem zweiten Transport und wir hoffen natürlich, dass der Zustand OK ist. Bereits im Fahrerlager und auf dem Weg ins Zwischenlager haben wir erste Einblicke in die geplante Route bekommen. Durch die Vielfalt der Möglichkeiten sind Stephan und ich natürlich gedanklich auf Abwege gekommen. Stephan und ich haben verschiedenste Varianten durchgesprochen und uns mit den Möglichkeiten beschäftigt. Bis zu unserem höchsten geplanten Lager sind aber alle Optionen offen und eine vernünftige Entscheidung kann erst dort oben getroffen werden. Erst dann haben wir alle Wandteile gesehen und geprüft. Grundsätzlich ist am Berg heuer wenig Schnee, aber auch das kann sich in den nächsten Wochen noch ändern. Zur Zeit haben wir jeweils nachmittags etwas Schnee in unserem Lager. Hier werden wir die nächsten 4 Wochen unseren Hauptwohnsitz haben. Unser Lagerplatz liegt am Auslauf des Gletschers auf rund 5600m. Jeder hat ein Einzelzelt und kann sich daher mit seiner Ordnung allein herumärgern. Von hier aus wurde der Berg im Jahr 1964 von einem großen Chinesischen Aufgebot ersterstiegen und der Grossteil der Expeditionen wählt diesen relativ sicheren Weg für eine Besteigung aus. Zur Zeit versuchen wir uns an die bereits große Höhe im Lager zu gewöhnen, wobei jeder seinen eigenen Rhythmus hat und sich dem natürlich unterordnen muss. Wir fühlen uns eigentlich recht gut, wissen aber, dass wir noch einige Zeit für eine optimale Leistung brauchen werden.

22. 04. – 25. 04. 2004

 Donnerstag, 22.04.2004
Am Donnerstag hatten wir am morgen eine offizielle Segnung eines Lama aus Sikkim.

Die ganzen anwesenden Expetitionen wurden in einer einstündige Zeremonie gesegnet. Man konnte seine Eisgeräte, Ski oder sonstigen Ausrüstungsgegenstände zum Steinaltar legen und diese Gegenstände wurden im Laufe des Festes geweiht. Es wurden in allen Himmelsrichtungen Gebetsfahnen aufgehängt und jetzt müssten die Götter eigentlich mit uns sein. Noch am selben Tag ist Stephan am Nachmittag aufgebrochen, um das erste Depotzelt am Gletscherrand auf zustellen. Es herrschte Schneesturm und Saukälte.

 

Freitag, 23.04.2004
Am Freitag sind wir dann alle gemeinsam aufgebrochen und haben einen weiteren Schub Material auf das Depot auf 5900m gebracht.

 

Samstag, 24.04.2004
Am Samstag sind wir dann noch einmal alle drei losgegangen, um Schischuhe, Gletscherausrüstung, usw. ins
Depot zu bringen. Wir haben geplant, das erste Lager in diesem Zug auf 6400m aufzustellen. Sepp hatte an diesem
Tag einen sehr schweren Rucksack mit Gemeinschaftsausrüstung und ist deshalb nur bis ins Depot gegangen. Paul und Stephan benötigten 1 Std., nur um eine 300m Horizontalstrecke durch den Bruch auf die normale Aufstiegsroute zu machen.

Vom Depot zur ersten Flanke bewegt man sich durch bis zu 4m hohe Büssereis-Türme,
immer wieder senkrecht bergauf oder bergab. Als wir bei der Flanke ankamen, haben wir die Steigeisen gegen unser
Ski ausgetauscht und sind bis auf 6100m aufgestiegen. Plötzlich wie aus heiterem Himmel hat das Wetter um ca.
14 Uhr umgedreht und aus Sonnenschein und Wärme wurde Schneesturm und Kälte. Da wir nur ein Hochlagerzelt
und ansonsten zu wenig Ausrüstung hatten, haben wir beschlossen, umzudrehen und am bergseitigen Ende des
Bruches ein neues Depot zu errichten. Die Verhältnisse zum Schifahren sind bis jetzt sehr schwierig und
anstrengend. Trotz Schneesturm und Müdigkeit erreichten wir unser Basislager vor Einbruch der Dunkelheit.

Sonntag, 25.04.2004
Heute haben wir Ruhetag.

 

26.04. – 30.04.2004

Montag, 26.04.2004
Am Montag erreichten Paul und Stephan im Schneesturm Lager 1 auf 6400m. Nachdem wir unser Zelt fixiert und eingerichtet hatten, begannen wir mit Schnee schmelzen, um den Flüssigkeitshaushalt in den Griff zu bekommen. Die Nacht war saukalt, -16 Grad im Zelt. Wenn man in der Nacht aufwachte und sich bewegte, begann es im Zelt zu schneien, da sich die Schnee- und Eiskristalle vom Innenzelt lösten. Nach einer kalten Nacht weckte uns um 6 Uhr die Sonne mit einem strahlend schönen Tag. Da wir vom letzten Tag ziemlich erschöpft waren, sind wir ziemlich bald abgestiegen, zurück ins Basislager.



Mittwoch, 28.04.2004

Mittwoch und Donnerstag waren Ruhetage im Lager.

Freitag, 30.04.2004

Am Freitag wollten wir aufsteigen, um Lager 2 einzu richten, doch der Wetterbericht sagt für Samstag/ Sonntag orkanartigen Sturm auf 7300m an. So hatte sich der Plan schnell geändert und wir mussten rauf, um Lager1 sturm sicher zu machen. Wir sind in einem Tag aufgestiegen, haben alle Arbeiten erledigt und sind wieder zurück ins Basislager abgestiegen.

Aus dem Expeditionstagebuch Stephan:

30.04.04 – 5.00 Uhr „Ich höre Paul rufen – aufstehen. Scheiße, schon wieder morgen! Es ist saukalt im Zelt, der Himmel ist strahlend blau, die letzten Sterne stehen noch am Himmel und es bläst ein starker Wind aus Süden über den Gipfelkamm des Shisha Pangma. Die ersten Sonnenstrahlen beleuchten den Gipfel und lassen die Schneefahnen rot erleuchten. Bis wir endlich die halbgefrorenen Kleider angezogen haben, vergeht scheinbar endlos viel Zeit. Der Rucksack ist wieder einmal schwer und wir bewegen uns Richtung Depot. Sepp geht es leider nicht besonders gut. Er muss Antibiotika gegen seine Erkältung nehmen. Dies ist auch der Grund dafür, warum Paul und ich alleine unterwegs sind. Der Wetterbericht verspricht nichts Gutes: Sturm mit bis zu 180 Kilometer pro Stunde Wind auf 7300m, ein großes Tiefdruckgebiet zieht auf. Wir müssen schnell rauf und runter, nur um unsere Ausrüstung zu sichern. Der Weg ins Depot ist inzwischen schon in unserem Kopf gespeichert, nur die Kälte und der Wind, der aus dem Tal kommt, ist neu. Nach einem kurzen Schuhwechsel im Depot – Trekkingschuhe gegen Expetitionsschuhe mit Steigeisen – machen wir uns auf den Weg durch den Bruch. Der Aufstieg auf der anderen Seite geht mit Skis weiter. Das Wetter wird langsam schlechter, der Wind wird immer stärker und es beginnt zu schneien. Alle 20m stoppen wir, um zu verschnaufen. Das kann`s nicht sein – so haben wir uns ein System zurecht gelegt, mit dem wir schneller voran kommen: Schritte zählen – 100 Schritte, dann trinken – 100 Schritte, trinken… So erreichten wir nach 6 Stunden Gesamtgehzeit vom Basislager im totalen Schneesturm Lager 1. Schnell arbeiten war nun angesagt. Wenn man die Handschuhe eine Minute auszieht, sind die Finger weiß und fast gefroren. Die Schneekristalle stechen wie Nadeln im Gesicht und im Nu friert Schnee und Eis auf der Haut und im Bart. Nach 1 ½ Stunden Arbeit unter schlechten Bedingungen hatte der Schneesturm seinen bisherigen Höhepunkt erreicht. Als wir die Ski zum Abfahren anhatten, erreichten die Böen eine Stärke, die ausreichte, um umgeblasen zu werden. Bei null Sicht begannen wir mit der Abfahrt. Nur nach Gefühl fahren war möglich. Da wir wussten, dass es eine Zone mit Spalten gibt und dass ein erheblicher Teil mit großen Eisblöcken unter Pulverschnee bedeckt war, war die Abfahrt alles andere als ein Genuss. Das letzte Problem an diesem Tag war dann noch, dass wir durch den starken Wind und Schnee keine Spur mehr durch den Bruch hatten. Aber auch dieses Problem konnten wir zum Glück noch lösen. Nach 12 Std. erreichten wir erschöpft und müde unser Basislager. Nun sind alle Sachen so gut wie möglich gesichert und alle Vorräte für die Gipfeletappe im Lager 1.“

Samstag, 01.05.2004
Heute sitzen wir bei Schneesturm im Basislager und müssen wieder einmal warten, bis besseres Wetter kommt.

 

Montag, 03.05.2004 und Dienstag, 04.05.2004

Montag, 03.05.2004
Am Montag sind wir bei relativ gutem Wetter zum Lager 1 aufgestiegen. Da die Verhältnisse gut waren, haben wir unser Lager mit Schi schon nach 5 Std. Aufstieg erreicht. Nachdem wir unser Zelt eine Stunde freischaufeln, bzw. ausgraben mussten – da von den letzten Stürmen fast nichts mehr herausgeschaut hat – konnten wir in unser unversehrtes Vaude-Heim kriechen und mit Schnee schmelzen und Abendessen kochen beginnen. Obwohl der Wetterbericht nicht der beste war, hat uns dieser Tag sehr zuversichtlich gestimmt und wir haben unsere Rucksäcke für Lager 2 schon mal fertig gemacht.

Dienstag, 04.05.2004
In der Nacht auf den 04.05.2004 hat es dann wieder stärker zu stürmen begonnen und am Morgen war unser Zelt schon wieder in den Schneemassen versunken. Nach dem wir uns freigegraben hatten, sind wir trotz starkem Sturm mit ca. 25 kg schweren Rucksäcken Richtung Lager 2 aufgebrochen. Eine Wegstrecke von ca. 5km und 600Hm trennte uns vom Lager 2 auf 7050m am Ende des Korridors. Dieses Lager ist ein Mittelweg zwischen Lager 2 und Lager 3. Da dieses Jahr am Berg so viel Sturm herrscht, ist die ganze Nordseite blank und es gibt so gut wie kein Schnee in den steilen Abstürzen der Nordwand. Dies ermöglicht es, das Lager 2 so weit nach oben, bzw. nach vorne zu verlegen, da keine Lawinengefahr herrscht. Somit sparen wir uns ein Lager. Doch an diesem Tag wurde der Sturm immer stärker. Schon nach 200m Aufstieg, kurz vor dem ersten Steilhang Richtung Lager 2, nahmen die Böen solche Ausmaße an, dass es uns bei aufrechter Körperhaltung einfach umgeweht hat. Abgesehen vom Wind machten uns auch die Kälte – ca.-30 Grad – und die schweren Rucksäcke sehr zu schaffen. Wir gaben für diesen Tag auf und kehrten ins Lager 1 zurück. Die kurze Schiab fahrt war wieder einmal ein Abenteuer für sich. Schifahren kann man dazu leider gar nicht mehr sagen – langsames Fortbewegen mit großer Verletzungsgefahr ist eher zutreffend. Völlig erschöpft und halb erfroren haben wir dann den ganzen restlichen Tag bei starkem Sturm im Lager 1 verbracht. Da wir keine Climbing Sherpas haben und unsere ganze Ausrüstung selber auf Lager 2 bringen müssen, sind wir zur Einsicht gekommen, dass wir das unmöglich in einem Aufstieg schaffen. Nun mussten wir uns eine neue Taktik überlegen. Die große Frage war natürlich, wo wir Gewicht sparen können. Da wir einen direkten Aufstieg vom Lager 2 auf den Gipfel planten, mussten wir sehr viel Ausrüstung mitnehmen. Nach längerem hin und her haben wir beschlossen, nur das Zelt und unsere Daunenkleidung, die Eisausrüstung und Ess- und Kochmaterial mitzunehmen. Somit sparten wir beim Schlafsack und Isomatte einiges an Gewicht. Wir hatten mit einer kurzen Nacht auf 7050m spekuliert, da wir sehr früh zum Gipfel aufbrechen wollten. Die 2. Nacht auf Lager 1 verging schnell.

 

Der lange Weg bis zum Gipfel…

Mittwoch, 12.05.2004
Am Mittwoch stiegen die beiden aus dem Basislager zum Lager 1 auf – bei Sturm. Dort wäre das Unternehmen fast gescheitert. Der Sturm hatte das Zelt der beiden zerstört. Alles war unter Schnee begraben. Es dauerte Stunden, bis die teilweise nasse Ausrüstung geborgen und ein anderes Zelt bezogen werden konnte. Dann kam gegen 16.00 h ein Funkspruch, dass es die politische Situation (maoistische Unruhen) in Nepal es notwendig macht, am 16.5.04 aus dem Basislager abzureisen. Nach kurzer Diskussion beschlossen die beiden, es zu riskieren. Sie stiegen am Tag darauf zu ihrem Lager 2 auf. Mit schwerem Gepäck (Schlafsäcke, Höhenausrüstung, Gas usw.) erreichten sie noch immer im
Sturm Lager 2 und waren schon recht müde. „Es war Zeit, die notwendige Flüssigkeit zu uns zu nehmen. Das kochen ist in dieser Höhe besonders mühsam und kostet sehr viel Zeit. Aber die Geräte funktionierten sehr gut und so haben wir die meiste Zeit bis zum Aufbruch um 2 Uhr nachts mit dieser Arbeit verbracht“ sagt Paul Gürtler.



Freitag, 14.5.2004

Endlich war der Tag, an dem uns das Glück auch noch hold war, eine kalte, aber windstille Nacht. Gleich hinter dem Lager 2 begann eine bis 40 Grad steile blanke Eisflanke, die von einem gefährlichen Schotterhang gefolgt wird. Man erreicht den Platz von Lager 3. Wir haben diesen Lagerplatz ausgelassen, um eine Gipfelchance zu haben. Normalerweise wird von hier aus der Gipfel versucht. Durch das vergangene schlechte Wetter und den jetzigen Zeitdruck haben wir dieses Lager ausgelassen. Langsam stiegen wir in die Höhe. Beide waren wir überrascht wie anspruchsvoll der Aufstieg bei diesen Verhältnissen war. Alles blank und extrem windgepresster Hartschnee. „Ein Ausrutscher und du pfeifst hunderte von Metern hinunter, nur seilfreies, konzentriertes Klettern ist hier sinnvoll möglich“ sagt Keck, von Beruf Bergführer. Gegen 13.00 Uhr war es dann soweit. Nach einer letzten wilden Querung erreichten beide den Hauptgipfel ihres Zielberges.

Dieser Gipfel wurde bisher erst gegen 200 Mal bestiegen. Meistens wird der etwas niederere Zentralgipfel als Ziel gewählt (hier waren gegen 500 Bergsteiger erfolgreich). Ungefähr eine Stunde blieben die Beiden am Gipfel, um sich dann auf dem Aufstiegsweg an den Ab- stieg zu machen. Eine noch höhere Aufmerksamkeit als im Aufstieg muss aufgebracht werden, um heil hinunterzu kommen. „Der Gipfel gehört dir erst im Basislager“ weiß Paul Gürtler. Er hat sich das auch immer wieder vorgesagt. Gegen 16 Uhr hatten sie es geschafft.
Beide waren wieder im Lager 2 auf 7050m,

wo sie noch eine Nacht verbrachten. In der Zwischenzeit hatten die Aufbruchsarbeiten im Basislager bereits begonnen und beide mussten sich beeilen, um von Lager 2 ins Basislager abzusteigen und alle Dinge vom Berg mit herunter zu nehmen. So war der Tag nach dem Gipfelsieg mindestens genauso anstrengend. Lager 2 und Lager 1 wurde von beiden abgebaut. Mit Hilfe eines Schischlittens nahmen sie alles Material mit herunter, transportierten es durch den Eisbruch bis ins Basislager. Dort kamen sie am Nachmittag es letzen Tages sehr müde aber zufrieden an.

Geschafft!

 

Am nächsten Morgen hieß es wieder um 5.30 h aufstehen, Material packen und Abmarsch. 35 km und eine 5-stündige
Jeepfahrt standen auf dem Programm bis wir gegen 24 Uhr an der chinesischen Grenze ins Bett fielen.

Montag, 17.05.2004
Nach einem weiteren Trubel erreichten wir am 17.5 Kathmandu, wo wir jetzt 2 Tage etwas ruhiger treten werden.

 

„Es geht viel, wenn man will. Wir sind sehr froh, dass wir es geschafft haben, das wir auf die schwere
Route aus Sicherheitsgründen verzichtet haben und am meisten freut es uns, dass wir alles ohne Hilfe von Sherpas
bewältigen konnten. Die Lastenschlepperei kostete viel Substanz, aber letztendlich hat es sich ausgezahlt“
berichten beide.“