Tagebuch Nepal Everest back to the roots 07.04.08

 

                                                  

07.04.08 Abflug und Anreise Nepal Kathmandu – Gegen 18 Uhr verlassen wir Kramsach. Die ganzen Bemühungen, das Satellitentelefon in Gang zu bringen, haben nichts genützt. Ich muss ohne E-Mail Funktion abreisen. Die Fahrt zum Flughafen ist wieder einmal flott gegangen. Auch das Einchecken war schnell vorbei und es gab keine Probleme mit dem Übergepäck. Es bleibt uns dann noch eine Stunde für die Verabschiedung. Wie immer ist dieser Moment nicht gerade der tollste. Zum 1. Mal weint Sina am Flughafen. Sie ist nun wohl gross genug, um gewisse Dinge zu verstehen. Nach 45 min bekommen wir noch einen Strafzettel von der Deutschen Polizei und somit wird die Verabschiedung abrupt beschleunigt. Nachdem die Familie auf dem Weg nach Hause ist, folgt eine extrem genaue Kontrolle des Handgepäcks und schon geht es ab in den Flieger. Nachdem die letzten 2 Tage sehr arbeitsintensiv waren und ich nie vor 1 Uhr ins Bett kam, kann ich im Flugzeug sofort schlafen. Ein Platz am Notausgang sorgt für den nötigen Komfort.

08.04.08 Ankunft Nepal Kathmandu – Nach einem Zwischenstopp in Doha erreiche ich um 16 Uhr Kathmandu. Die Visa-Formalitäten werden gleich nach Ankunft abgewickelt, d.h 30 US Dollar bezahlen, 2 Zettel ausfüllen und ein Passfoto (das habe ich natürlich nicht dabei und so muss mein Schilehrerausweis daran glauben). Die Leute von Thamserku sind schon vor Ort und bringen mich ins Shangri La Hotel. Auf dem Weg ins Hotel wird mir gleich klar gemacht, dass ich morgen nicht weiterfliegen kann, da ich zum Briefing muss. Auch übermorgen geht nichts, da Wahlen sind und alles geschlossen hat. Man glaubt immer wieder viel zu viel und ich wehre mich wieder einmal zu wenig. Im Hotel angekommen werde ich schon vom Assistant of Miss Hawley empfangen. Es folgt eine kurze Fragestunde und dann ab aufs Zimmer. Elise, mein Trekkinggast aus Holland wartet schon im Restaurant auf mich. Sie hat ein Everest BC Trekking gebucht und wird mich bis ins Basislager begleiten. Da es schon spät ist, essen wir im Hotel.

09.04.08 Meeting im Office Thamserku und Versuch Weiterflug nach Lukla – Der Tag beginnt mit einem gemütlichem Frühstück im Hotelgarten. Um 9:30 h fahren wir ins Office von Thamserku, wo wir zum 1. Mal Sonam treffen. Zuerst werden wir vom Sohn Namgil empfangen. Er macht mich darauf aufmerksam, dass 3 Personen, die mit mir das Permit teilen, ausgefallen sind und dass die Regierung in so einem Fall 10 Tage braucht, um ein neues Briefing zu machen. Ausserdem sind morgen Wahlen und das heisst, das Büro für die Briefings ist von heute bis 5 Tage nach den Wahlen geschlossen. Ich mache ihn darauf aufmerksam, dass ich die Expedition in diesem Fall storniere. 6 Tage verspätete Ankunft im BC würde bedeuten, erst am 22. April im BC zu sein. Vom 1. bis 10 Mai darf niemand über Lager 2, davor darf man zwar bis Lager 3, aber man darf da nicht schlafen. Die Satellitenkommunikation wird bis zum 10 Mai eingestellt bzw. es müssen alle elektronischen Kommunikationsgeräte beim Militär, das im Basislager und im Lager 2 Wache hält, abgegeben werden und als kleine Zusatzmotivation – es darf niemand über Lager 3 bis das Olympische Feuer mit den Chinesen am Gipfel war. Supersache, die Regeln der Chinesen, die sich die Nepalis problemlos aufzwingen lassen. Nachdem ich Namgil meinen Standpunkt klar gemacht habe, ist auch Sonam im Büro aufgetaucht. Seine Version, warum ich nicht heute fliegen kann, ist dann wieder ganz anders – keiner im Büro weiss über unser Programm richtig Bescheid. Es wird erst einmal der Akt herausgeholt und dann müssen die Jungs nachlesen, was Sache ist. Da Thamserku als eine der besten Agenturen in Nepal gilt, möchte ich nicht wissen, wie andere Agenturen arbeiten. Auch die Vororganisation von Focus, meinem italienischem Partner, lässt sehr zu wünschen übrig. Aber was soll’s, nach einer ¼ Std. ist alles geklärt und es geht im Eiltempo zum Flughafen. Um 11 Uhr soll unser Flug nach Lukla gehen. Es ist mir schon beim Hinfahren klar, dass wir ziemlich spät dran sind und dass die Flugbedingungen zu Mittag meistens schlecht sind. Wir sind dann 4 Mal zum Flugzeug gefahren und wieder retour in die Wartehalle bis der Flug dann um 15:30 h aufgrund schlechter Flugbedingungen abgesagt wird. Also retour zum Hotel und einen Tag Pause ist angesagt. Ich kann nun wenigstens noch einmal einen Versuch starten, mein Thuraya Satellitentelefon in Gang zu bringen. Es ist auch da verwunderlich, wie es sein kann, dass ein € 1400.- teures Telefon über Tage gewisse Funktionen einfach nicht bringen kann. Ich habe das Gerät in Österreich beim mehr oder weniger einzigen offiziellen Thuraya Partner gekauft. Meine Frau hat dann in den 3 Wochen, in denen ich in Argentinien am Aconcagua war, versucht, das Ding einzurichten. Einmal hat es dann sogar funktioniert. Ich habe am Wochenende wieder mehrere Stunden damit verbracht, es funktionstüchtig zu machen. Nun haben wir seit Montag keine Weiterhilfe bzw. Behebung des Problems. Inzwischen habe ich zwar von Thuraya International am Montag eine Hotline-Nummer erhalten und rufe nun täglich 2-3 Mal an, damit mein Problem gelöst wird – jedes mal heisst es, wir melden uns in der nächsten Stunde. Soviel zum Thema guter Service. Nun habe ich zwar ein Satphone, aber die Funktionen E-Mail, SMS und MSS kann ich mir im Moment noch denken – vielleicht schaffen wir es ja in den nächsten Tagen noch – Wunder sind nicht ausgeschlossen. Purna, mein Basislager-Boss und Koch ist zumindest schon unterwegs ins BC und bereitet da alles vor – das ist immerhin eine gute Nachricht. Nach den Telefonaten mit Thuraya, wieder einmal erfolglos, gehen wir in die Stadt nach Thamel zum Abendessen. Wenn man untertags die Metzgereien sieht, wird man hier schnell zum Vegetarier. Zurück im Hotel gibt es ein Vollbad, das letzte für die nächsten 7 Wochen.

     

10.04.08 Sightseeing Kathmandu – Da heute Wahlen sind, starten wir gemütlich in den Tag. Wieder ein Frühstück im Garten und dann ab zu den Sehenswürdigkeiten. Es ist wie angekündigt alles geschlossen und es gibt auch keine Taxi oder sonstigen Autos auf den Strassen. Nur Militär, Polizei und Rettungsautos sind unterwegs. Das macht aus unserer Tour eine weite Wanderung. Nachdem wir nach 1 Std. Marsch am ersten Tempel ankommen, müssen wir feststellen, dass die Pashupatinath Tempelanlage zum Wahllokal umfunktioniert wurde – dieser Tempel ist auf unserem Rundgang also gestrichen. Was soll’s, wir machen uns auf, quer durch die Stadt zum nächsten Tempel, Swayambhunath und versuchen da unser Glück. Mit Erfolg wir können die Anlage fast für uns alleine besichtigen, da niemand unterwegs ist. Um 15 Uhr erreichen wir wieder unser Hotel. Wir konnten viele Eindrücke auf Foto festhalten. Es folgt ein weiterer erfolgloser Versuch bei Thuraya und Brandspot. Da wir morgen früh um 5 Uhr zum Flughafen fahren, wird das Gepäck nun noch einmal umgepackt und wenn morgen alles nach Plan geht, werden wir uns auf die erste Etappe zu Fuss von Lukla nach Namche machen. We will see. Nun geht es ab ins Bett, wir müss morgen früh raus.

11.04.08 Flug Lukla – Heute stehen wir sehr früh auf. Um 3 Uhr reisst mich der Wecker aus dem Schlaf, schnelles Packen, Frühstück wie immer, aber nicht im Garten und dann müssen wir bis 5:30 h auf unseren Helfer Pasang von Thamserku warten. Die Fahrt zum Flughafen geht schnell und schon stehen wir mit ca. 100 Leuten in der Schlange. Die Gepäckabfertigung ist mehr oder weniger eine Alibi-Sache und auch der Security Check ist nur oberflächlich Zum Glück, so kommen wir schnell voran und sind schon um 6:30 h im Flugzeug. Die Fluglinie Yeti Air gibt es noch immer und auch die Maschinen sind noch immer gleich alt. Zum Glück dauert der Flug mit der Bruchkiste nur 1 Std. Die Landung in Lukla ist was ganz Besonderes. Die Landebahn ist so kurz, dass man es fast nicht glauben kann, dass hier überhaupt Flugzeuge landen können. Man landet gegen den Berg und die Landebahn geht nach oben, ein ganz neues Erfolgsgefühl, wenn man heil aus der Kiste steigt. Wir halten uns noch ca. 1Std. in Lukla auf bis wir unsere Träger und den Guide haben und dann geht es endlich los und wir können die ersten Meter zu Fuss zurücklegen. Der Weg geht entlang eines V-Tales durch viele kleine Ortschaften. Wir überqueren x-mal Schwindel erregende Hängebrücken über den Dudh Koshi River. Die Menschen auf dem Weg sind nicht wirklich freundlich, aber das verwundert mich nicht. Ich wäre in deren Situation auch nicht mehr freundlich, wenn täglich mehrere hundert Touristen durchs Dorf laufen. Für die 16 km und rund 1000Hm auf und ab benötigten wir mit Mittagspause 6 Std. Gegen 15 Uhr erreichten wir Namche Bazar auf 3450m, von unserem Guide und den Trägern ist weit und breit keine Spur. Ich beschliesse, noch einmal retour zu gehen, da es in der Zwischenzeit zu regen begonnen hat. Da ich mein Gepäck natürlich nicht wasserfest verpackt habe, muss ich zum Schutz von PC und so weiter noch einmal retour. Nach ca. 400Hm Abstieg treffe ich auf unseren Guide und die Träger sind noch einmal 100Hm weiter unten. Nachdem mir der Guide erklärt hat, dass alles wasserfest verpackt wurde, geht es wieder retour nach Namche. 1 ½ Std. nach meiner 2. Ankunft und nachdem wir Tee und Popcorn bekommen haben, tauchen dann auch unsere Träger auf – das Gepäck ist natürlich nicht wasserfest verpackt. Nun ist alles da, der Regen war nicht so stark und es ist alles trocken. Wir sitzen nun in der gemütlichen Stube mit 2 anderen Touristen und warten auf das Abendessen. Ich werde nun noch einen Versuch starten, die ersten News per Internet Cafe nach Hause zu schicken. Die nächsten News folgen dann hoffentlich aus dem Basislager – falls das Thuraya Satellitentelefon bis dahin funktioniert und die Chinesen das Netzwerk nicht schliessen oder schon geschlossen haben.

  

12.04.08 Lukla – Tengboche – Da die Strecke heute nicht sehr weit ist, frühstücken wir erst um 8 Uhr. Im Anschluss geht es zum Samstagsmarkt in Namche – willkommen im alpinen Disneyland. Nicht nur am Markt, auch auf dem Weiterweg nach Tengboche zeichnet sich dasselbe Bild wie in allen „da musst du einmal in deinem Leben gewesen sein“ Regionen ab – unzählige Träger, Yak-Kolonen und dazwischen Trekker und Bergsteiger aus aller Herren Länder. Die Wege werden überall verbreitert und mit Steinen ausgepflastert, damit auch die Menschen, die normal nur auf Asphalt gehen können, eine Möglichkeit haben, diese Region zu erkunden. Wehe, wenn es nass wird oder wenn es gar Schnee gibt. Beim Lunch werden wir von einem ambitionierten Trekker darauf hingewiesen, dass es weiter oben 10 cm Schnee gegeben hat und dass man dann die Steine nicht mehr sieht, so sei es ganz und gar nicht mehr möglich zu gehen. Solche Menschen sind in dieser Region aber sicher keine Ausnahme. Aber was soll’s, damit rechnet man ja, auch wenn man insgeheim immer hofft, dass es dann doch nicht so schlimm ist.Landschaftlich ist es sehr schön. Die ersten Eisriesen kommen ins Blickfeld. Da das Wetter nicht besonders gut ist, kommen Ama Dablam und Thamserku zwar nur sehr selten zum Vorschein, aber man merkt wieder einmal schnell wie klein man als Mensch beim Anblick dieser Riesen ist. Vorbei an Stupas und durch Nadelwald schlängelt sich der Weg auf einem nach Osten ausgerichteten Steilhang. Am Grund des V-Tales ist ein wilder Fluss zu erkennen.Die Wegstrecken führen sehr oft durch kleine Orte, die zu Souvenir-, Lodge-, Cafe- und Lunchzentren umgewandelt wurden. Aufgrund der grandiosen Landschaft wird all der Rummel und Staub auf dem Weg ins Everest Basislager von den Leuten wohl akzeptiert- Man kann keine 5 Minuten gehen, ohne dass man auf andere Wanderer trifft. Gegen 14 Uhr erreichen wir Tengboche auf 3850m.Dies ist ein kleiner Platz mit 3 Lodges, einer Bäckerei, einem Internetcafe und dem grossen Kloster, von dem der Ort seinen Namen hat. Da es schon wieder zu regnen begonnen hat und alles mit Wolken verhangen ist, können wir von der Landschaft nicht wirklich viel erkennen. Nach einer halben Std. Verhandlung mit unserem Begleiter von Thamserku schaffen wir es dann tatsächlich, dass wir ein Zimmer kriegen. Unsere Träger kommen wieder 2 Std. nach uns an und das auch nur, weil Dawa retour gegangen ist und das Gepäck von einem übernommen hat. Gute Leute haben wir da zugeteilt bekommen. Was am Rande noch kurios ist – ich habe heute tatsächlich mein Aircargo eingeholt. Auf dem Weg durch Namche sehe ich zufällig eine meiner Tonnen zwischen Gerümpel in einer Hütte stehen. Ich versuche über Dawa einen schnellen Weitertransport zu veranlassen.Bin ja schon gespannt, was alles fehlt, wenn ich das Basislager erreiche. Was die Kommunikation betrifft, hat sich heute das normale Handy verabschiedet – kein Empfang mehr, das Satellitentelefon geht noch, zumindest zum telefonieren. Wir machen uns morgen auf den Weg nach Pheriche und hoffen auf besseres Wetter.