Gipfel leider nicht erreicht!


 

10.05

Zeitig um 4:00 verlassen wir unseren Schlafsäcke. Purna und Chandra erwarten uns schon mit einem guten Frühstück. Um 5:00 h ist es dann so weit. Wir brechen ein für uns letztes Mal auf Richtung Lager I. So wie wir den Wetterbericht laut Tabelle deuten konnten, sollten wir keine schlechten Chancen für den Gipfel haben. Wie immer versuchen wir, die Gefahrenstellen unter dem Eiger und im darauf folgenden Gletscherbecken so schnell wie möglich zu begehen. Wir kommen sehr gut voran und sind bereits um 9:00 h im Lager I. Das Wetter ist bestens und wir nutzen den Tag zum Erholen, Essen und Trinken. Wie üblich schmeckt mir der Cirkuhealth Schoko Drink am besten. Am Nachmittag gibt es einige Wolken und etwas Schneefall, doch dasGanze hält sich in Grenzen. Auch die Nacht verläuft sehr ruhig.

11.05

Wir wachen heute ganz erholt um 6:00 h auf. Nach einem gemütlichen Frühstück packen wir unsere Sachen. Das Wetter meint es wirklich gut mit uns, strahlend blauer Himmel und null Wind. Auch heute kommen wir im Aufstieg sehr gut voran. Zeitgleich mit uns ist eine Chinesische Bergsteigergruppe unterwegs. Die Gruppe ist so aufgeteilt, dass es proBergsteiger einen Sherpa gibt. Ab Lager II gehen dann alle mit Sauerstoff. Für uns ist das nicht schlecht, das heisst, wir haben ca. 16 Menschen mit Sauerstoff rund um uns und davon 8 Sherpas, die beim Spuren helfen. Diese Konstellation ist nicht unbedingt von Nachteil. Ca. 1 Std. bevor wir Lager II erreichen, beginnt es zu schneien und der Wind wird stärker. Wir erreichen Lager II nach 4 Std. Aufstieg um 13:00 h. Inzwischen ist der Wind schon sehr stark. Unser Zelt ist nicht mehr da, das heisst, es ist völlig im Schnee versunken. Auch die Zelte der Schweizer Gruppe sind fast verschwunden,das heisst, es schaut nur noch ein wenig vom Dach der Zelte heraus. Für uns schaut es in diesem Moment wirklich nicht mehr gut aus. Unsere ganze Gipfelausrüstung ist mit unserem Zelt verschwunden. Wir beschliessen, eines der Kobler-Zelte frei zu schaufeln, damit wir wenigstens über Nacht ein Dach über dem Kopf  haben. Paul beginnt mit dem Ausgraben und ich mache mich auf die Suche nach unserem Zelt. Inzwischen haben wir Sturm auf 6650m. Nach 3 Std. schaufeln hat Paul das Kobler Zelt ohne Schaden freigelegt. Auch mir ist es inzwischen gelungen, unser Zelt zu finden. Unser Black Diamond Zelt liegt 2m unter pickelhartem und wind gepresstem Schnee – aber es ist ganz. Keine Stange ist gebrochen und auch die Hülle ist ganz. Wir haben Glück, dass wir es gefunden haben. Somit sind alle unsere Sachen wie Essen, Bekleidung, ein Zelt für Lager III, etc. gerettet. Um 16:00 h kriechen wir bei sehr starkem Wind zufrieden, aber erschöpft ins Zelt. Nun beginnt die Arbeit mit Schnees schmelzen und essen, kochen. Schon bald wird es dunkel. Der Wind lässt leider nicht nach und es beginnt etwas zu schneien.Wir sind immer noch guter Hoffnung. Die Chinesen haben Lager II etwa 50 m höher auf einer kleinen Ebene eingerichtet. Paul hat das Kochen sehr gut im Griff und im Nu sind alle Gefässe mit Flüssigkeit gefüllt. Der Wind wird immer stärker und wir versinken im Schnee. D.h. wir müssen immer wieder raus, um das Zelt  frei zu legen. Im Schnitt trifft es uns abwechselnd alle 15 bis 45 Min. zum Schöpfen. Damit haben wir nicht gerechnet. Gegen Mitternacht wird es dann sternenklar, aber der Wind lässt nicht nach. Einmal sind wir für kurze Zeit beide eingenickt. Paul ist dann munter geworden, da er pinkeln musste. Das war  unser Glück. In der kurzen Zeit war das Zelt bereits einen halben Meter unter dem Triebschnee verschwunden. Die Luftöffnung am Einstieg war komplett zu. Es ist zwar sehr angenehm, da wir den Sturm nicht mehr hören konnten, aber eine halbe Stunde mehr und wir wären eventuell nicht mehr munter geworden.Von diesem Zeitpunkt an verbrachten wir die Nacht ohne Schlaf mit abwechselndem wachen, schaufeln und auf den Morgen warten.

12.05

Am Morgen hat der Sturm dann ein wenig nachgelassen. Paul verbrachte die letzte Nacht mit Schüttelfrost und ich habe mich im Zuge des Zeltausgrabens einmal übergeben. Trotz Sonnenschein und wolkenlosem Himmel mussten wir bei starkem Wind eingestehen, dass es für uns ohne Sauerstoff nicht möglich ist, bzw. nicht sehr sinnvoll ist, weiterzugehen. Wir hatten unsere Chance und der Wind ist leider doch stärker als erhofft. Nach kurzem Überlegen haben wir beschlossen, abzusteigen. Ein weiterer Aufstieg ist bei diesen Bedingungen und nach so einer Nacht nicht mehr ein kalkuliertes Risiko, sondern eher Harakiri. Wir packen unsere gesamten Sachen und machen uns bei bereits wieder stärker werdendem Wind auf ins LagerI. Schweren Herzens verlassen wir den Berg. Im Lager I laden wir dann die restlichen Sachen noch einmal auf unsere Rucksäcke und dann geht es mit je 30kg Richtung Basislager. Die Chinesen arbeiten sich in derselben Zeit mit Sauerstoff Richtung Lager III vor. Wir erreichen gegen Mittag das Basislager. Erschöpft und froh, dass wir heil angekommen sind, brauchen wir denNachmittag,  um uns von der letzten Nacht zu erholen. Am Abend erfahren wir, dass dieChinesen im Lager III angekommen sind, aber im Wind 2 Zelte verloren haben. Für uns wäre so eine Situation wohl ziemlich schlecht ausgegangen. Immer noch sehr müde kriechen wir gleich nach dem Abendessen wieder in unsere VAUDE Schlafsäcke.

13.05

Der heutige Tag beginnt wieder mit Sonnenschein und so wie es ausschaut mit sehr wenig Wind, zumindest im Basislager.Wir beginnen damit, das Lager abzubauen und unsere Sachen zu verpacken. Das nächste gute Wetterfenster sollte laut jetzigen Angaben erst wieder um  den21./22. Mai sein. Das ist für uns leider zu spät, unsere Zeit ist somit abgelaufen. Nun haben wir schon fast alles gepackt. Am Berg herrscht inzwischen wieder Sturm. Wie wir soeben mitbekommen haben, sind einige der Chinesen mit ihren Sherpas am Gipfel gewesen. Wir hoffen, dass alle wieder heil im Tal ankommen. Für uns wäre das heute bei diesem Wind ohne Sauerstoff sicher nicht möglich gewesen. Wie auch immer, dieser Berg steht noch länger. Für uns war es ein schönes Erlebnis und im Anbetracht der objektiven Gefahren am Dhaulagiri sind wir froh, dass wir nun gesund die Heimreise antreten können. Eventuell kommen schon morgen unsere Träger, d.h. wir werden in ca. 3 Tagen Pokara erreichen und wenn alles klappt, sind wir zu Pfingsten wieder zu Hause.Einen letzten Bericht über das Trekking retour und die Heimreise werden wir zu Hause machen. Wir bedanken uns bei allen Freunden, die uns auf dieser Reise gedanklich begleitet haben und freuen uns schon auf zu Hause.

Schöne Grüsse aus dem Dhaulagiri Basisalger

Stephan und Paul

 

Weitere Berichte zu finden unter: www.netzathleten.de

 

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